Donnerstag, 11. Juni 2009

Keine Schreibblockade

Da sind wir wieder! Die angedrohte Schreibblockade ist, angesichts der überwältigenden Rückmeldung (eine fast dreistellige Anzahl an Kommentaren), zum Glück wieder etwas unwahrscheinlicher geworden. Dennoch haben wir fast einen Monat auf uns warten lassen, doch glaube ich behaupten zu können, dass sich das Warten gelohnt hat.
Metropolitana
Nachdem wir gegen Ende der letzten Episode die Hansestadt Hamburg das Fürchten gelehrt hatten, mussten wir kurz darauf unseren Ruf als Vertreter eines feierlustigen Landes hier in Mailand verteidigen. Eine Freundin aus England bekam Besuch von ihrem Bruder und zwei seiner Freunde, die es sich natürlich nicht nehmen lassen wollten, ihren eigenen, angeblich vorhandenen und ähnlichen Ruf auch im Ausland unter Beweis zu stellen. Letztendlich hatten wir die Sache jedoch relativ schnell zu unseren Gunsten entschieden, da sich ein Spieler der Auswärtsmannschaft kurz nach Beginn auswechselte, was ohne folgende Einwechslung immer einen leichten Nachteil mit sich bringt.
Zum Glück war die Aftershowparty von etwas längerer Dauer und wir beschlossen, am folgenden Tag einen kleinen Siegesausflug an den Lago di Como zu unternehmen. Da das Wetter sich leider etwas bedeckt hielt und die erwarteten Fans ausblieben, wurde die Rolle der Hauptattraktion mit kleineren, vierbeinigen Wesen besetzt.
zweiköpfigerdrache
wolkensonnen
drachenhöhle
smile
Am folgenden Wochenende trennten sich unsere Wege – Lukas nahm in Stuttgart sein Schicksal erfolgreich selbst in die Hand (Automobildesign-Praktikum bei Mercedes-AMG), während ich mich über hohen Besuch aus Stuttgart freuen konnte – meine Mutter. In fast allerletzter Minute konnte ich somit zwei weitere Punkte auf meiner Checkliste von Sehenswürdigkeiten in Mailand abhaken: Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci und einen Besuch der Scala, was das ohnehin sehr schöne Wochenende vollkommen machte. Der gleichzeitig stattfindende Giro d’Italia hatte zwar eigentlich keine allzu großen Auswirkungen auf uns, aber ihr wollt ja bestimmt nicht vergessen, wie es hier in Mailand aussieht, weshalb sich die Fahrer dankenswerter Weise zu einem Foto bereiterklärten.
tourdeländle
thelionking
In der folgenden Zeit fiel mir und uns die Wahl der nächsten Zivis für unsere Schule hier zu. Eine einmalige Chance, zu zeigen, dass wir nicht nur die italienische Sprache gelernt hatten, sondern mittlerweile auch gut mit der italienischen Lebens- und Arbeitsweise vertraut waren. Das Resultat: zwei von drei Plätzen waren schon vor den eigentlichen Vorstellungsgesprächen vergeben. Einen sicherte sich ein Bekannter von Felix aus Hamburg, den Zweiten ergaunerte sich in letzter Minute mein Bruder Kay (!).

Als am folgenden Wochenende die beiden übriggebliebenen Bewerber in Mailand eintrafen, um sich für die letzte Stelle zu bewerben, stellte sich zum Glück heraus, dass beide auch ein Gespräch an Felix‘ Schule hatten. Diese eigentlich nun leichtere Entscheidung nutzten aber ihrerseits die Italiener, um uns zu zeigen, dass auch wir noch einiges zu lernen haben: Unsere Schule will sich nicht entscheiden; Felix‘ Schule soll sich entscheiden und wir nehmen dann den anderen. Felix‘ Schule will sich aber nicht entscheiden, da in zwei Wochen noch ein weiterer Bewerber erscheint. Letztendlich musste dann aber dennoch keiner der beiden unverrichteter Dinge abreisen und alle vier können sich auf ihr Jahr in Mailand freuen.
Zur selben Zeit waren auch Lukas‘ Eltern Christiane und Kai in Mailand und auch sie entließen wir nicht ohne eine nachhaltige Erinnerung an ein schönes Wochenende und einen unserer neuen Freunde aus Mailand: Hemingway.

Über die Pfingstfeiertage kehrten wir Mailand erneut den Rücken zu. Felix und Lukas führte diese Reise nach Florenz, mich über Madrid zur schon wartenden Familie nach Mallorca. Leser, die jetzt schon gespannt (oder sorgenvoll) auf eine weitere Geschichte mit Hauptdarsteller König Alkohol warten, muss ich leider enttäuschen (oder entwarnen) – ich nutzte die letzten Ferien nicht, um gegen andere Deutsche um den Titel des Ballermanns zu feiern. Mein Spielgefährte hieß für die folgenden fünf Tage Golfball, war klein, weiß und zeitweise unglaublich unberechenbar.
Nach einem Spielverlauf, der uns in 90 Loch über Höhen und Tiefen, in Wasserhindernisse und Sandbunker und meilenweit durch garstige Dornenbüsche führte, einigten wir uns auf ein Unentschieden, mit welchem ich nach der langen Pause durchaus glücklich sein konnte.
Aufgrund der strengen Regeln und dem engen Zeitplan, der bei diesen „Spaziergängen“ eingehalten werden musste (was ohnehin schon anstrengend genug war), kann ich euch leider nur mit einer mittlerweile obligatorischen Vogelperspektive der Reisplantagen der Poebene, dem Flughafen von Madrid und einigen anderen Randeindrücken dienen – ich hoffe ihr verzeiht es mir.
uncle_bens
madrid
palle
garten
flugibrennt
Lukas berichtet lieber am besten selbst in Wort und Bild:
Als Folterknecht des letzten Eintrags will ich mir es natürlich nicht nehmen lassen, mich nochmal persönlich für die beeindruckende Anzahl an Rückmeldungen, auf allen Wegen, zu bedanken. Für mich war es nicht nur ein großes Vergnügen, von Teilen der „Phantomleserschaft“ zu lesen (danke, LOSCH!), es hat mich natürlich auch sehr motiviert, meine „alte, kleine“ Nikon abzustauben und mich damit in Florenz unter die dicken Amerikaner zu mischen. Vier Tage waren Felix und ich also in der toskanischen Hauptstadt, der geplante Tagesausflug ins Meer entfiel mangels Sonne, aber der durch den Regen/Nebel entstehende Charme entschädigte doch für einiges, wie vielleicht auf manchen Bildern deutlich wird. Braun wurden wir also nicht unbedingt, das war nur die Farbe des feinen Destillats aus der Karibik, das auch in Florenz verfügbar war. Dennoch wussten wir Firenze noch gut von Havana zu unterscheiden, sodass wir in den 4 Tagen nicht nur das Touristenprogramm, sondern auch ruhigere Ecken entdecken konnten und uns, als Landes- und Sprachkundige, auch Abends Freunde zu machen wussten – woher allerdings der Biber kam, den wir im Arno schwimmend beobachten konnten, blieb bis heute ungeklärt. Der großartige Dom, der es aber natürlich höchstens als Spiegelung in Felix‘ Sonnenbrille mit dem Mailänder Equivalent aufnehmen kann (bei der Neuauflage der Aufnahme von Blogeintrag 3 (Oktober 2008) musste ich Photoshop zugegebenermaßen ordentlich arbeiten lassen), lieferte so feine Bilder, dass ich mich gegen einige Fotos nicht entscheiden wollte, also bekommt ihr einfach mal ein paar mehr.
Ansonsten lasse ich am besten jetzt Bilder sprechen, ich will nur noch hinzufügen, dass ich in der Eile nur das Teleobjektiv eingepackt hatte – habe dann eben versucht, mich mit dem erzwungenen „Zoom-Effekt“ zu arrangieren – Viel Vergnügen allemal und bis zum nächsten Eintrag, dann wieder zur Gänze aus meiner Feder,
euer Lukas (nach den Fotos erzählt Kollege Meyding weiter).
zug
duomofi_3
fadenkreuz
feli_duomo_firenze
galeere
spiegelung
levels
duomofi_2
beauty
kuppel
biberhimself
ilsaltodifirenze
duomofi
18uhr
augen
Ganz schön frech findet Kollege Meyding das, kaum Text und dann so viele Bilder ;-).

Wir hatten uns kaum wiedervereinigt, ebendies auf der Abschiedsfeier einer Freundin standesgemäß gefeiert und uns anschließend davon erholt, als wir schon zur nächsten kleinen Wochenendreise aufbrachen. Diesmal führten uns eiserne Bahnen gen Süden ans Meer nach Torrazza, Imperia, Ligurien. Ein Name, der bei so manchem Leser sehnsuchtsvolles Seufzen hervorrufen wird – und das durchaus berechtigt. Nicht einmal der freiwillige (zumindest fast) Verzicht auf jegliche klimaschadenden Verkehrsmittel, weshalb wir den Weg zwischen Bahnhof/Strand und Wohnung (ganz schön weit oben, siehe Bild "kofferträger". Bitte wirklich nur auf das Dörfchen schauen, meine Schirmmütze gehört zur Kategorie "unschöner, aber leider auch unverzichtbarer Sonnenschutz") je zweimal zu Fuß und zweimal mit dem Fahrrad zurücklegten, konnte dem einzigartigen Imperiafeeling etwas anhaben. Neben vielen anderen Erkenntnissen (auch im Alter von 20/fast 21 sind Wellen ein tolles Spielzeug, Currynudeln auf der Terrasse in Torrazza mit Blick aufs Meer schmecken am besten, … ) können wir nun auch aus eigener Erfahrung behaupten, was unsere und eure Eltern schon immer wussten: starker Wind hat nicht die gleiche Schutzwirkung wie Sonnencreme und UV-Strahlen lassen sich von Wind weder beeindrucken, noch wegpusten oder gar abschwächen. Um diese Erkenntnis reicher, mussten wir nach einem weiteren Tag am Strand (selbstverständlich hat unser neues Wissen an diesem zu besserem Sonnenschutz geführt) leider schon wieder abreisen und haben damit unsere vermutlich letzte gemeinsame Reise mit Mailand als Start- und Zielpunkt unbeschadet und zufrieden abgeschlossen.
diner
terrasse
kofferträger
timistrand
Für Lukas gilt das jedoch nicht ganz – er begibt sich morgen schon wieder auf Reisen, um auch seine fernere Zukunft in die Hand zu nehmen: Die Aufnahmeprüfung in Pforzheim. Die im letzten Eintrag präsentierte Mappe hat (erwartungsgemäß) nicht nur mich und euch beeindrucken können, sondern offensichtlich auch die, die in dieser Hinsicht wirklich von Belang sind – also, alle Daumen drücken, dass ihm das auch bei der zweiten Hürde gelingt.
Währenddessen werden Felix und ich uns hier in Mailand auf die letzten Besuche vorbereiten (Lion, Juli, Marv & Jojo und zum krönenden Abschluss Kay) – wie ihr seht, werdet ihr gegen Ende wieder zunehmend mit Bild & Text aus Mailand vorlieb nehmen müssen und deshalb diesen letzten interregionalen und -nationalen Eintrag hoffentlich mit Kommentaren überschütten.
Mit diesen schon wieder wenig pathetischen Worten will ich mich von euch verabschieden. Ich hoffe, dass ich auch ohne ständige Aufforderung den einen oder anderen Kommentar erhalte, und wünsche euch einen ebenso schönen Sommer, wie wir ihn gerade genießen.

Euer Tim (& Lukas)