Einerseits liegt das am akuten Mangel deutscher Tourbusfahrer in Mailand, andererseits möchte ich natürlich auch die Augen und Konzentration der Abiturienten (Unseres soll schon ein Jahr her sein? heieiei) schonen. Aber ein bisschen Ablenkung und schöne Bilder haben noch niemandem geschadet.
Kurz nach meinem Geburtstag kam Anni für fünf Tage nach Mailand, in erster Linie natürlich um Luki zu besuchen und in zweiter Linie (hoffe und behaupte ich) um mich zu besuchen. Und vermutlich auch, um noch etwas Sonne vor dem erneuten Wintereinbruch in Deutschland zu genießen.
Zunächst hatte sie es sich aber zur Aufgabe gemacht, uns zu zeigen, was man in der Zeit nach dem Abi alles hätte lernen können, wenn man nur ein Student, im besten Falle gar Jurist, geworden wäre. Als Jurist (so nennt man, und frau, sich schon nach einem Semester) hat man, und eben auch frau, nämlich immer Recht und fast immer auch einen Plan.
Da Anni jedoch nicht zu sehr auf ihren Vorrechten beharrte, war es letztendlich sehr schön und lustig mit ihr.


Der, selbstverständlich sehr beweinte, Abschied wurde von einem neuen Arbeitsplan überschattet, der, unter anderem, einen zerhackstückelten Tagesablauf und drei Mal pro Woche abends Arbeiten vorsah. Nachdem wir diesen jedoch durch Eigeninitative abwenden konnten, arbeiten Lukas & ich jetzt einmal pro Woche nur abends von 16.00 Uhr bis 23.00 Uhr. Neben einer Abwechslung vom allgemeinen Tagesablauf bringt das noch den Vorteil der Internetnutzung in der Schule mit sich, weshalb ich euch heute zu ungewohnt später Stunde mit Neuigkeiten versorgen kann.
Um uns von den Strapazen des Arbeitskampfes zu erholen hatten wir, in weiser Voraussicht, einen Kurzurlaub in Innsbruck bei Juli gebucht.
Nachdem wir nach langer Zugfahrt und kurzer Verirrung (wir kannten uns auf Anhieb so gut in Innsbruck aus, dass wir Juli, der am Bahnsteig wartete, per Aufzug umgingen) in der Wohnung angekommen waren, musste zunächst der Hunger gestillt werden. Anschließend hatten wir das Glück, dass die Verfügbarkeit von Hefeweizen und unserer Wiedersehen (nach sehr langen zwei Wochen) zusammenkamen und gefeiert werden wollten. Da wir natürlich auch echte Innsbrucker kennenlernen wollten, suchten wir mit Juli eine WG-Party auf, um den dort Anwesenden zu zeigen, wie man als Mailänder feiert. Im Nachhinein können wir behaupten, Erfolg gehabt zu haben – wir hatten jeder ca. 30 „neue Freunde“. Selbstverständlich sind wir noch mit jedem in regem Kontakt.
Nach einer, für manche mehr (Juli), für manche weniger (Lukas & ich), erholsamen Nacht zu dritt in Julis Bett „erklommen“ wir die berühmte Nordkette, zumindest bis zum Ende der Hungerburgbahn – der Hungerburg.
Dort angenommen, genossen wir zunächst die Aussicht über Innsbruck und wehrten uns gegen Nachboten des gestrigen Abends. Nach einem Mittagessen auf der sonnigen Terrasse (davon können manche Leser laut Wetterbericht momentan nur träumen) machten wir uns auf den Weg zum Burton European Flagship Store, um unsere Sehnsüchte nach Snowboarden zwangsweise auf diese Weise zu stillen. Trotz Kämpfen mit T-Shirts in Größe L, die sich als Damen T-Shirts herausstellten, ist letztendlich jeder fündig geworden und wir zogen zufrieden von dannen.
Der Rückweg führte am Inn entlang, welcher jedoch aus unerfindlichen Gründen von Baustellenzäunen umzingelt war. Da wir dem Fluss jedoch schon so nahe gekommen waren, konnten diese uns nicht davon abhalten, sich dem reißenden Strom bis auf wenige Schritte anzunähern. Nachdem wir am Ufer die letzten Sonnenstrahlen genossen hatten, konnten wir uns die Möglichkeit, endlich wieder eine Sportschau zu genießen, nicht entgehen lassen. Nach vollbrachter Tat und eher mittleren Spare-Ribs vom sogenannten „Pizzamann“ (Ich weiß, der Name hätte stutzig machen sollen) machten wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt. Dort trafen wir Justus und verbrachten einen ruhigeren Abend in einem Pub, wo uns Juli zu später Stunde noch eine heimliche Schwärmerei gestand („Ich liebe Karel Gott, ich lieb' den einfach!“) und wir noch den Besuch der beiden in Mailand planten.
Nach einer etwas erholsameren Nacht, diesmal zum Glück in getrennten Betten, ließen wir das sehr gelungene und unterhaltsame Wochenende ruhig ausklingen und machten uns auf den Heimweg. Nach kurzer Rücksprache mit Felix, der mit seinen Eltern snowboarden war, wussten wir immerhin, dass wir zur gleichen Zeit aus der gleichen Richtung in Mailand ankommen. Die nobelpreisverdächtige Schlussfolgerung, dass man eventuell im gleichen Zug sitzen könnte, zog natürlich keiner, weshalb unser Wiedersehen erst nach vierstündiger Zugfahrt stattfand.
















Am Dienstag wartete schon das Highlight einer sonst eher durchschnittlichen Woche: Das Killers-Konzert in Mailand. Ein hammer (!!!) Konzert vor 12.000 Leuten, perfekte Stimmung und Stimme des Sängers, übertriebene Lichtshow, die Musik selbstredend vom Feinsten – unglaublich. Für heute Abend leider nur ein Bild – es werden noch weitere folgen, versprochen (glaub ich).


(Versprechen erfüllt!)
Das letzte Wochenende verbrachte ich schon wieder außerhalb der Landesgrenzen. Kurz bevor er sein zweijähriges Asyl in England verlässt, habe ich es tatsächlich noch geschafft, Kay in Bedford zu besuchen. Nach einem Abend im Pub mit ihm und seinen Freunden, einem einsamen Samstagmorgen auf den Straßen Bedfords und einem Mittagessen, natürlich beim Italiener, wurde ich Zeuge, wie ehemalige Schüler von Kays Schule die jetzige zweite Mannschaft fussballerisch auseinandernahmen. Ich will nicht verschweigen, dass Kay hierbei der einzige Treffer für seine Mannschaft gelang, muss jedoch gestehen, dass ich zu diesem Zeitpunkt gebannt das Geschehen auf dem Nachbarfeld beobachtete. Obwohl ich mich danach pflichtschuldigst an meine Beobachter- und Fotografenpflichten hielt, kam ich leider nicht in die Gelegenheit, ein weiteres Tor für die Nachwelt zu fotografieren.






Nachmittags bin ich nach London gefahren um bei dieser Gelegenheit auch Timmy zu besuchen. Nach einem weiteren Besuch bei einem Italiener, einer gelieferten Pizza und einer gesunden Mischung aus Top Gear und Premier League musste ich das, überraschenderweise frühlingshafte und sonnige England leider schon wieder verlassen.

Die letzten Tage konnten mit diesen Ereignissen natürlich nicht mithalten. Ich habe angefangen, stillsitzen zu üben, was Lukas stets zeichnerisch festhält. Aber da dieser Text jetzt ohnehin schon viel zu lang ist, entlasse ich euch heute ausnahmsweise ohne pathetische Schlussrede.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, besseres Wetter in Deutschland (spätestens für Ostern) und schicke auf diesem Weg viele Grüße, die am schnellsten und fast am besten anhand der Kommentarfunktion erwidert werden. Besser wäre nur ein Päckchen mit der Post.
Euer Tim (& Lukas)
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