Also zuerst mal sollte ich ja gar nichts schreiben. Nachdem die Leserschaft beim letzten Eintrag mit gnadenlosen 2 (!) Kommentaren sehr deutlich gemacht hat, für was wir uns hier abmühen, und damit schon kräftig am Ohrfeigenbaum gerüttelt hat – unsere treuen, feedbackgebenden Stammleser müssen sich hier nicht angegriffen fühlen – mussten wir uns dieses Mal gemeinsam mit ein paar kühlen Pils durch den Kopf gehen lassen, ob sich dieser Aufwand denn noch lohnt, den wir uns dann doch eigentlich nuuur für euch machen. Wir sind natürlich nach einiger Zeit zu dem Schluss gekommen, dass es entweder das Fehlen des pathetischen Schlusses war, der euch vergrault hat, oder ihr schlichtweg zu faul wart, um uns ein paar Zeilen (wo auch immer) zu hinterlassen. Aber da die Kommentare logischerweise unsere einzige Rückmeldung über das Ausmaß der Lesegemeinde sein können, würden wir uns zumindest schon freuen, wenn wir denn wüssten, wer Tims Emailadresse noch nicht auf der Anti-Spam-Blacklist hat und sich tatsächlich noch ab und zu auf die Blogseite verirrt – oder habt ihr den letzten Eintrag gar verpasst? Das wäre zwar durchaus peinlich und bezüglich eurer Aufmerksamkeit ernüchternd, aber natürlich denkbar – dann sucht mal rechts in der Spalte.
Genug der netten Begrüßungen, schließlich habt ihr die Seite offensichtlich im Moment geöffnet und erwartet leichtverdauliche Texte und harmlose Postkartenidyllen. Die sollt ihr dann meinetwegen auch wieder bekommen, schließlich haben wir uns wieder unsäglich viel Zeit gelassen, aber das hat sicher eh keiner gemerkt (ok, ich hör auf damit).
Zunächst einmal natürlich wieder Besuch, zwar offiziell für Felix, aber der Publikumsmagnet Via Bassini 39 zog mal wieder kräftig, sodass wir Miles und Ruben aus Hamburg für ein Wochenende beherbergen durften. Ich glaube, dieses Wochenende lässt sich ganz fein mit einem Bild ausdrücken, das ich euch natürlich nicht vorenthalten will.
So, das müsste reichen – auch wenn es sich natürlich nur um die Spitze des Bierbergs handelt, aber wir wollen hier ja niemanden vergrätzen. Das nächste Wochenende wurde entsprechend ruhiger gestaltet, obwohl Felix sein 20. Lebensjahr mit Bravour abschloss und –schoss. Insgesamt war es aber tatsächlich mal sehr unaufregend, da wir – oh Wunder – auch irgendwann mal wieder was arbeiten sollten. Bazar di Pasqua, Osterbasar, stand an und man durfte die Zivis mal wieder nach Herzenslust für allerlei alberne Jobs ausbeuten, was wir natürlich gern über uns ergehen ließen, kommt ja nicht allzu häufig vor.
Außerdem waren unsere schwäbischen Herzen ja schon gefüllt mit Vorfreude auf die Heimat, sodass wir alles klaglos ertrugen und uns nur wenige Tage später im Flugzeug nach Stuttgart wiederfanden.
Die Tage in Stuttgart (Tim teils in Scuol) waren natürlich herrlich entspannend und sogar großteils sonnenbeschienen, Bilder zu machen haben wir natürlich beide erneut so vernachlässigt, dass wir euch nur wieder mal nur ein paar (dafür sehr feine) Vogelperspektiven präsentieren können.


Erwähnenswert finde ich auch, dass ich mir mein Haupthaar auf sehr wenige erschreckende Zentimeter kürzen habe lassen (danke nochmal, Anni …). Außer dem unangenehmen Nebeneffekt, dass ich nun wirklich auf meinen Kleidungsstil achten muss, um mir hier nicht von den Mussolini-Fans auf die Schulter klopfen zu lassen, ists so natürlich für den Sommer sehr luftig und entspannt. Was ihr davon haltet, sagt ihr mir wohl besser nicht, immerhin gibt’s Fotos unten.
Das sollte reichen von den intimsten Neuigkeiten, weiter geht’s mit dem Infotainment.
Eine Woche später war in Mailand Modemesse, allerdings ohne knöcherne Weibchen sondern mit hölzernen Stühlchen, oder so – „Salone del Mobile“ heißt das hier, Möbelsalon. Zwar muss ich gestehen, dass ich mir mehr erhofft hatte, aber immerhin bekamen wir überdimensionale Schreibtischlampen, schräge Häuschen und leere U-Bahnen bei vollen Stationen zu sehen, das hat doch auch was.
Um Tim mal endlich miteinzubeziehen: Tim und sein Freund Lukas machten sich zwei Wochen nach Stuttgart von Mailand auf nach Hamburg (wie man sieht, ist hier jemand mächtig stolz aufs Jetsettertum!). Wir hatten uns schon länger bei Felix eingeladen und pünktlich zum 1. Mai bewegte sich der Stuttgarter Krawalltrupp gen Norden.
Den Kiez und St. Pauli haben wir wider Erwarten (aber keine Angst, wir waren ja wirklich defensiv bei den Haarschnitten) ohne größere Blessuren (Leber ausgenommen) überstanden, sodass wir gleich am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die Stadt erkundeten. Unser abgeklärter Stadtführer Felix („Wo wollt ihr denn jetzt hin?“-„Was wollt ihr denn angucken?“ – Man bedenke, wir waren niemals in HH …) hatte soweit auch alles unter Kontrolle, sodass wir einen feinen Frühsommertag in und einen exzellenten Ersten Eindruck von der Hansestadt bekamen. Außerdem ergriff ich die Chance, eine alte Schulfreundin aus meinem Austauschjahr in den USA wiederzusehen, was zu meinem vermutlich ersten selbstbestellten Cappuccino führte – irgendwie musste man sich ja für den Abend stärken.










Am zweiten Tag war offenbar die Eingewöhnungszeit abgelaufen und Hamburg durfte scheinbar endlich sein wahres Gesicht zeigen, aber als wahre Touristen hatten wir natürlich auch unsere helle Freude am nordischen Schmuddelwetter. Während sich Felix noch von der minimal anstrengenden Poolparty am Vorabend erholen musste, hielten Tim und ich uns auf den Beinen und die Kamera natürlich immer so grade wie möglich. Natürlich entstanden dank optischem Bildstabilisator dann wieder feine Bildchen, bei dieser Entzückung musste natürlich auch mal ein echtes Fischbrötchen her (de facto hab ich mir sofort danach noch eins geleistet), man munkelt ja auch von katerlindernden Fähigkeiten. Ohne dass die Stimmung also vom Wetter gedrückt worden wäre, haben Timtim und ich noch einiges (Speicherstadt, Chilehaus, Hafencity) entdecken können, und nicht einmal die alles auf den Kopf stellende Hebebrücke auf dem Weg konnte unseren lädierten Gleichgewichtssinnen etwas anhaben.







So sind wir also seit Sonntagnacht wieder zurück in Milano und uns wird schon ein bisschen weh ums Herz, wenn wir daran denken, dass das Ende hier nicht mehr allzu fern ist. Bis dahin plane ich aber erstmal, diverse Bewerbungstrips nach Stuttgart zu unternehmen, Tim wird vermutlich unseren bollywoodreifen Film von der Snowboardreise nach Scuol fertigschneiden (Interessen melden sich, wie immer, höhö), Felix eventuell sogar langsam rausbekommen, was er nicht studieren will – Wir werden sehen, was die knapp bemessene Restzeit bringt.
Damit kann ich bei meiner Checkliste ein Häkchen hinter „pathetische Schlussworte“ setzen, das Tim letztes Mal so todesmutig ausließ, und euch wieder entlassen; natürlich nicht, ohne euch vorher mit der Schreibblockade gedroht zu haben, wenn das hier so weitergeht, ihr wisst schon...
Alles Liebe, Euer Lukas (und Tim)
PS: Eigentlich steht an dieser Stelle immer ein Bild vom Wegesrand, aufmerksame Leser wissen das freilich. Aber erstens muss ja Strafe sein, zweitens wollte ich mich nochmal auf einem Bild lächerlich machen und drittens gebührt der lieben Familie Guth der allerherzlichste Dank, dass wir so nett aufgenommen und versorgt wurden – dafür beiße ich gerne auf einer kitschigen Postkarte in einen Hering mit Zwiebeln!




