Mittwoch, 22. Juli 2009

Mit einer Träne im Knopfloch ...

Da ist er. Leise und unaufhaltsam hat er sich angeschlichen und jetzt steht er plötzlich vor euch. Die Rede ist natürlich vom letzten Blogeintrag – und somit auch dem Ende unseres Zivildienstes in Mailand.

Manche sind vermutlich überrascht, dass seit dem ersten Blogeintrag schon fast elf Monate vergangen sind. Viele freuen sich hoffentlich auch, dass wir endlich wiederkommen.
Und (hoffentlich) wenige werden bestürzt akzeptieren müssen, dass sie uns doch noch nicht komplett los sind.
Aber die pathetische Schlussrede, die diesmal selbstredend noch pathetischer als ohnehin schon üblich ausfällt, wollte ich eigentlich Lukas überlassen.

Während Lukas den Grund seiner Reise nach Stuttgart, die Prüfung in Pforzheim, leider eher in der Kategorie „Übung macht den Meister“ einordnen musste, erkundeten Felix und ich ein Städtchen in der näheren Umgebung unserer Heimatstadt Mailand namens Monza.
Dort war man jedoch offensichtlich nicht auf hohen Besuch vorbereitet und führte uns lieber an der Nase herum; der sogenannte „Dom“ war im Vergleich zu unserem Mailänder Prachtstück eher eine schwer auffindbare Dorfkapelle, auf der berühmten Rennstrecke fand ein Marschierwettbewerb statt, …

ghetto

Mit Lukas‘ Rückkehr hellte sich die Stimmung jedoch schnell wieder auf und wir freuten uns auf das kommende Wochenende, an welchem wir Lion und Christina beherbergen durften. Auch das Gastgeschenk kubanischen Ursprungs war der Stimmung nicht abträglich und nach einem ausgelassenen Freitagabend gönnten wir uns am Samstag mal wieder einen Blick vom Dach des Duomo auf unsere Heimatstadt-Leihgabe.

zoom

sehnenmann

kapelle

timundstuggi

dach

lillichrissi

boysnoiz

Nachdem wir die beiden am Sonntag recht früh verabschieden mussten, ließ uns die tropische Hitze nur einen Ausweg: Schwimmen.

Gemeinsam mit sämtlichen nicht-italienischen Bewohnern Mailands machten wir uns auf dem Weg zum Idroscalo, einem ehemaligen Landesee für Wasserflugzeuge. Dem aufmerksamen Blogleser wird dieser Name zu Recht bekannt vorkommen – kurz nach Weihnachten hatten wir diesen See schon einmal aufgesucht (siehe Blogeintrag Januar 2009). Damals jedoch zugegebenermaßen zur Nebensaison und bei anderen Temperaturen. Und ohne den Beweis, dass es deutsche Mallorca-Urlauber nicht nur aus Deutschland und nicht nur auf Mallorca gibt.

blau

eskimo

sommer

lifefail

Und hier möchte ich mich schon einmal von euch verabschieden, denn der Rest dieses Eintrages wird der Feder von Kollege Haag entspringen.
Es hat Spaß gemacht, für euch zu fotografieren, anhand der Bilder nachzuvollziehen, was man in den letzten Wochen alles erlebt hat und diese Erlebnisse einigermaßen gelungen niederzuschreiben.
Und was letztendlich natürlich auch viel Freude bereitet und für die vorangegangenen Mühen entlohnt hat (und hoffentlich auch nach diesem Eintrag wieder ein Spaß wird) war, eure Kommentare zu lesen und zu wissen, dass wir uns nicht umsonst Mühe gegeben haben.
So toll dieses Jahr auch war (und das war es, wie den Bildern und Texten unschwer zu entnehmen sein sollte) – ich freue mich „auf zu Hause“, ein baldiges Wiedersehen mit möglichst vielen von euch und das, was ihr nach dieser Zeit zu erzählen habt.

Bis bald, Euer Tim

Bevor eure Tränen der Rührung die Oberhand gewinnen, will ich, Lukas, noch schnell das Gefühlsruder rumreißen und euch mit einer knappen Zusammenfassung der letzten dreieinhalb Wochen ablenken. Zwar sind die Bilder in diesem Eintrag eher medium, aber dafür versöhnt euch dann hoffentlich der Pathos und der harte Fakt, dass dies der letzte Eintrag ist und man alles mehrmals lesen will (ähem). Wer unsere fotografische Blütezeit wiedererleben will, sei auf die Einträge von November bis Mai verwiesen – aber zurück zum Hier und Jetzt.

In der Schule war seit 17. Juni kein normales Schulkind mehr anzutreffen, nur diejenigen, die offenbar nicht genug bekommen konnten, durften 3 weitere Wochen mit der „Scuola Estiva“, der Sommerschule, Freizeit im geliebten waldörfischen Lehrinstitut verbringen. Wieder einmal wurde unser Potenzial als billige Arbeitskraft blitzschnell erkannt und wir durften, im wöchentlichen Wechsel, auf zwei kleine, leichtbehinderte, junge Männer im Alter von 9 Jahren und den Rest des Miniaturvereins aufpassen. Dies war natürlich nicht nur eine Pflichterfüllung, zumal es jeweils einen eher entspannten Donnerstag im Schwimmbad mit sich brachte – trotzdem sind wir ganz froh, seit es wirklich ruhig in der Schule geworden ist.

scuola_estiva

Aber dazu später mehr – immerhin standen für die letzten drei Wochenenden, wie im letzten Eintrag erwähnt, zahlreiche Besuche aus der Heimat an. Zuerst schaffte es der Jungarzt in spe, Juli, aus Innsbruck endlich her (bekannt aus beiden Märzeinträgen), im Gepäck Justus, Jungarzt in spe #2, den wir bei unserem Wochenendbesuch damals schon kennengelernt hatten. Auch mit Ihnen waren zwei (außer-)ordentliche Feierabende unvermeidlich, aber bevor mir die Grammatik-Korrektur von MS Word nun „Wiederholung“ vorwirft, lasse ich lieber ein Bild vom Stapel - Vertreten hierbei übrigens auch Lucia, deutsch-italienische Modedesignerin (Studium in Pforzheim, räusper), die wir nun schon seit einiger Zeit kennen und tatsächlich nun ab und zu sogar in die „Männerrunden“ miteinladen.

bunterabend

Erwähnt sei noch zum medizinischen Besuch, dass die Rückfahrt ein voller Erfolg war – das geplante Trampen scheiterte zwar am Nichtauffinden der Autobahn, aber wer kann schon von sich behaupten, mit Bummelzügen und Sonderangeboten starke 15 Stunden von Mailand nach Stuttgart zu benötigen? Juli, du hast meinen Respekt.

Ganz so lang dauerte es dann nicht für die nächste Besucherfuhre, Jojo und Marv wählten mit dem Flugzeug ein etwas flotteres Verkehrsmittel. Nur vier Tage nach dem Arztbesuch folgte mit den beiden also ein erneuter Grund für morgendlichen Kopfschmerz mit flauem Magen. Schließlich hatten die beiden beim Duty-Free-Shop nicht gespart und da wir noch gezwungen waren, in Jojos 21. Geburtstag zu feiern, hätten wir am nächsten Morgen eine kleine Blitzheilung nicht verschmäht. Aber bevor ihr aufhört zu lesen, springen wir schnell weiter, die Bilder sind alle (dies sei vielleicht kein Fehler) mit Marvins Kamera auf deutschem Boden gelandet, anstatt auf unseren Festplatten hier.

beergrenade

Bereits zwei Tage später wieder eine spontane SMS mit noch spontanerem Ergebnis: Schon wieder mein Bruder Lion im Haus, auf dem Weg von Frankreich nach Zürich ein paar Tage in Mailand untergeschoben. Erneute zwei Tage danach komplettierte Kay Meyding das Bild der Bruderzusammenkunft und zu viert wurden die Abende von der Durchschlagskraft spürbar multipliziert – auch hiervon, zu unserem und eurem Wohl, haben wir zwei hier keine Bilder.

Bevor ihr nun endgültig abschaltet: Gleich sind wir durch.

Denn dies waren die letzten Besuche, die letzten Abende, die letzten Geschichten, Randgeschichten, Erwähnungen, Schachtelsätze und Andeutungen. Und erwähnenswerterweise auch die letzte Arbeitswoche, die diesen Namen kaum verdient hat. Seit Sonntagabend und mit dem Abgang der jeweiligen Brüder ist hier die Luft endgültig raus, wir kommen und gehen in der Schule, wie es uns passt und streichen eher plan- und lustlos ein paar Räume. Immerhin: Wir merken mit jedem Tag mehr, dass es hier rum ist für uns und wir einfach nach Hause sollten und wollen. Obwohl dieser Satz auch der letzte eines Papstes sein könnte, oder vielleicht genau deswegen (das wiederum wäre allerdings anmaßend gegenüber allen Katholiken), hier beginnt der hoffentlich ausreichend pathetische Schlussteil.

Es war ein volles Jahr. Nein, nicht nur in diesem albernen Sinne, ich meine es ausnahmsweise nicht ganz so platt – wenn man sich allein diese Auswahl an Fotos in unserem Blog (Schulterklopfen an mich, ich habe all diese 292 Fotos jeweils einzeln erst aufhübschen, zurechtschneiden und digital nachbelichten müssen) ansieht, die die repräsentativsten und/oder unserer Auffassung nach besten aus der schieren Masse von über 10.000 geschossenen Bildern in diesem knappen Jahr darstellen, dann sollte einem klar werden, was wir hier erlebt haben. Ich bin sehr glücklich über unsere und meine Zeit hier und hoffe sehr, dass ihr ein wenig daran teilhaben konntet. Auch von meiner Seite nochmals vielen Dank für eure zahlreiche Rückmeldung (jaja, Zuckerbrot und Peitsche, gell) und eure motivierenden Zuschriften. Falls es euch gefallen hat – hier habt ihr natürlich wie immer, allerdings jetzt zum letzten Mal für dieses Jahr, Platz und Möglichkeit für eure Ansichten und Kommentare.

Ich hoffe, wir sehen uns bald; bei einigen bin ich mir da sogar sehr sicher – und freu mich sehr drauf.

Alles Gute,
euer Lukas

PS:
leer

Donnerstag, 11. Juni 2009

Keine Schreibblockade

Da sind wir wieder! Die angedrohte Schreibblockade ist, angesichts der überwältigenden Rückmeldung (eine fast dreistellige Anzahl an Kommentaren), zum Glück wieder etwas unwahrscheinlicher geworden. Dennoch haben wir fast einen Monat auf uns warten lassen, doch glaube ich behaupten zu können, dass sich das Warten gelohnt hat.
Metropolitana
Nachdem wir gegen Ende der letzten Episode die Hansestadt Hamburg das Fürchten gelehrt hatten, mussten wir kurz darauf unseren Ruf als Vertreter eines feierlustigen Landes hier in Mailand verteidigen. Eine Freundin aus England bekam Besuch von ihrem Bruder und zwei seiner Freunde, die es sich natürlich nicht nehmen lassen wollten, ihren eigenen, angeblich vorhandenen und ähnlichen Ruf auch im Ausland unter Beweis zu stellen. Letztendlich hatten wir die Sache jedoch relativ schnell zu unseren Gunsten entschieden, da sich ein Spieler der Auswärtsmannschaft kurz nach Beginn auswechselte, was ohne folgende Einwechslung immer einen leichten Nachteil mit sich bringt.
Zum Glück war die Aftershowparty von etwas längerer Dauer und wir beschlossen, am folgenden Tag einen kleinen Siegesausflug an den Lago di Como zu unternehmen. Da das Wetter sich leider etwas bedeckt hielt und die erwarteten Fans ausblieben, wurde die Rolle der Hauptattraktion mit kleineren, vierbeinigen Wesen besetzt.
zweiköpfigerdrache
wolkensonnen
drachenhöhle
smile
Am folgenden Wochenende trennten sich unsere Wege – Lukas nahm in Stuttgart sein Schicksal erfolgreich selbst in die Hand (Automobildesign-Praktikum bei Mercedes-AMG), während ich mich über hohen Besuch aus Stuttgart freuen konnte – meine Mutter. In fast allerletzter Minute konnte ich somit zwei weitere Punkte auf meiner Checkliste von Sehenswürdigkeiten in Mailand abhaken: Das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci und einen Besuch der Scala, was das ohnehin sehr schöne Wochenende vollkommen machte. Der gleichzeitig stattfindende Giro d’Italia hatte zwar eigentlich keine allzu großen Auswirkungen auf uns, aber ihr wollt ja bestimmt nicht vergessen, wie es hier in Mailand aussieht, weshalb sich die Fahrer dankenswerter Weise zu einem Foto bereiterklärten.
tourdeländle
thelionking
In der folgenden Zeit fiel mir und uns die Wahl der nächsten Zivis für unsere Schule hier zu. Eine einmalige Chance, zu zeigen, dass wir nicht nur die italienische Sprache gelernt hatten, sondern mittlerweile auch gut mit der italienischen Lebens- und Arbeitsweise vertraut waren. Das Resultat: zwei von drei Plätzen waren schon vor den eigentlichen Vorstellungsgesprächen vergeben. Einen sicherte sich ein Bekannter von Felix aus Hamburg, den Zweiten ergaunerte sich in letzter Minute mein Bruder Kay (!).

Als am folgenden Wochenende die beiden übriggebliebenen Bewerber in Mailand eintrafen, um sich für die letzte Stelle zu bewerben, stellte sich zum Glück heraus, dass beide auch ein Gespräch an Felix‘ Schule hatten. Diese eigentlich nun leichtere Entscheidung nutzten aber ihrerseits die Italiener, um uns zu zeigen, dass auch wir noch einiges zu lernen haben: Unsere Schule will sich nicht entscheiden; Felix‘ Schule soll sich entscheiden und wir nehmen dann den anderen. Felix‘ Schule will sich aber nicht entscheiden, da in zwei Wochen noch ein weiterer Bewerber erscheint. Letztendlich musste dann aber dennoch keiner der beiden unverrichteter Dinge abreisen und alle vier können sich auf ihr Jahr in Mailand freuen.
Zur selben Zeit waren auch Lukas‘ Eltern Christiane und Kai in Mailand und auch sie entließen wir nicht ohne eine nachhaltige Erinnerung an ein schönes Wochenende und einen unserer neuen Freunde aus Mailand: Hemingway.

Über die Pfingstfeiertage kehrten wir Mailand erneut den Rücken zu. Felix und Lukas führte diese Reise nach Florenz, mich über Madrid zur schon wartenden Familie nach Mallorca. Leser, die jetzt schon gespannt (oder sorgenvoll) auf eine weitere Geschichte mit Hauptdarsteller König Alkohol warten, muss ich leider enttäuschen (oder entwarnen) – ich nutzte die letzten Ferien nicht, um gegen andere Deutsche um den Titel des Ballermanns zu feiern. Mein Spielgefährte hieß für die folgenden fünf Tage Golfball, war klein, weiß und zeitweise unglaublich unberechenbar.
Nach einem Spielverlauf, der uns in 90 Loch über Höhen und Tiefen, in Wasserhindernisse und Sandbunker und meilenweit durch garstige Dornenbüsche führte, einigten wir uns auf ein Unentschieden, mit welchem ich nach der langen Pause durchaus glücklich sein konnte.
Aufgrund der strengen Regeln und dem engen Zeitplan, der bei diesen „Spaziergängen“ eingehalten werden musste (was ohnehin schon anstrengend genug war), kann ich euch leider nur mit einer mittlerweile obligatorischen Vogelperspektive der Reisplantagen der Poebene, dem Flughafen von Madrid und einigen anderen Randeindrücken dienen – ich hoffe ihr verzeiht es mir.
uncle_bens
madrid
palle
garten
flugibrennt
Lukas berichtet lieber am besten selbst in Wort und Bild:
Als Folterknecht des letzten Eintrags will ich mir es natürlich nicht nehmen lassen, mich nochmal persönlich für die beeindruckende Anzahl an Rückmeldungen, auf allen Wegen, zu bedanken. Für mich war es nicht nur ein großes Vergnügen, von Teilen der „Phantomleserschaft“ zu lesen (danke, LOSCH!), es hat mich natürlich auch sehr motiviert, meine „alte, kleine“ Nikon abzustauben und mich damit in Florenz unter die dicken Amerikaner zu mischen. Vier Tage waren Felix und ich also in der toskanischen Hauptstadt, der geplante Tagesausflug ins Meer entfiel mangels Sonne, aber der durch den Regen/Nebel entstehende Charme entschädigte doch für einiges, wie vielleicht auf manchen Bildern deutlich wird. Braun wurden wir also nicht unbedingt, das war nur die Farbe des feinen Destillats aus der Karibik, das auch in Florenz verfügbar war. Dennoch wussten wir Firenze noch gut von Havana zu unterscheiden, sodass wir in den 4 Tagen nicht nur das Touristenprogramm, sondern auch ruhigere Ecken entdecken konnten und uns, als Landes- und Sprachkundige, auch Abends Freunde zu machen wussten – woher allerdings der Biber kam, den wir im Arno schwimmend beobachten konnten, blieb bis heute ungeklärt. Der großartige Dom, der es aber natürlich höchstens als Spiegelung in Felix‘ Sonnenbrille mit dem Mailänder Equivalent aufnehmen kann (bei der Neuauflage der Aufnahme von Blogeintrag 3 (Oktober 2008) musste ich Photoshop zugegebenermaßen ordentlich arbeiten lassen), lieferte so feine Bilder, dass ich mich gegen einige Fotos nicht entscheiden wollte, also bekommt ihr einfach mal ein paar mehr.
Ansonsten lasse ich am besten jetzt Bilder sprechen, ich will nur noch hinzufügen, dass ich in der Eile nur das Teleobjektiv eingepackt hatte – habe dann eben versucht, mich mit dem erzwungenen „Zoom-Effekt“ zu arrangieren – Viel Vergnügen allemal und bis zum nächsten Eintrag, dann wieder zur Gänze aus meiner Feder,
euer Lukas (nach den Fotos erzählt Kollege Meyding weiter).
zug
duomofi_3
fadenkreuz
feli_duomo_firenze
galeere
spiegelung
levels
duomofi_2
beauty
kuppel
biberhimself
ilsaltodifirenze
duomofi
18uhr
augen
Ganz schön frech findet Kollege Meyding das, kaum Text und dann so viele Bilder ;-).

Wir hatten uns kaum wiedervereinigt, ebendies auf der Abschiedsfeier einer Freundin standesgemäß gefeiert und uns anschließend davon erholt, als wir schon zur nächsten kleinen Wochenendreise aufbrachen. Diesmal führten uns eiserne Bahnen gen Süden ans Meer nach Torrazza, Imperia, Ligurien. Ein Name, der bei so manchem Leser sehnsuchtsvolles Seufzen hervorrufen wird – und das durchaus berechtigt. Nicht einmal der freiwillige (zumindest fast) Verzicht auf jegliche klimaschadenden Verkehrsmittel, weshalb wir den Weg zwischen Bahnhof/Strand und Wohnung (ganz schön weit oben, siehe Bild "kofferträger". Bitte wirklich nur auf das Dörfchen schauen, meine Schirmmütze gehört zur Kategorie "unschöner, aber leider auch unverzichtbarer Sonnenschutz") je zweimal zu Fuß und zweimal mit dem Fahrrad zurücklegten, konnte dem einzigartigen Imperiafeeling etwas anhaben. Neben vielen anderen Erkenntnissen (auch im Alter von 20/fast 21 sind Wellen ein tolles Spielzeug, Currynudeln auf der Terrasse in Torrazza mit Blick aufs Meer schmecken am besten, … ) können wir nun auch aus eigener Erfahrung behaupten, was unsere und eure Eltern schon immer wussten: starker Wind hat nicht die gleiche Schutzwirkung wie Sonnencreme und UV-Strahlen lassen sich von Wind weder beeindrucken, noch wegpusten oder gar abschwächen. Um diese Erkenntnis reicher, mussten wir nach einem weiteren Tag am Strand (selbstverständlich hat unser neues Wissen an diesem zu besserem Sonnenschutz geführt) leider schon wieder abreisen und haben damit unsere vermutlich letzte gemeinsame Reise mit Mailand als Start- und Zielpunkt unbeschadet und zufrieden abgeschlossen.
diner
terrasse
kofferträger
timistrand
Für Lukas gilt das jedoch nicht ganz – er begibt sich morgen schon wieder auf Reisen, um auch seine fernere Zukunft in die Hand zu nehmen: Die Aufnahmeprüfung in Pforzheim. Die im letzten Eintrag präsentierte Mappe hat (erwartungsgemäß) nicht nur mich und euch beeindrucken können, sondern offensichtlich auch die, die in dieser Hinsicht wirklich von Belang sind – also, alle Daumen drücken, dass ihm das auch bei der zweiten Hürde gelingt.
Währenddessen werden Felix und ich uns hier in Mailand auf die letzten Besuche vorbereiten (Lion, Juli, Marv & Jojo und zum krönenden Abschluss Kay) – wie ihr seht, werdet ihr gegen Ende wieder zunehmend mit Bild & Text aus Mailand vorlieb nehmen müssen und deshalb diesen letzten interregionalen und -nationalen Eintrag hoffentlich mit Kommentaren überschütten.
Mit diesen schon wieder wenig pathetischen Worten will ich mich von euch verabschieden. Ich hoffe, dass ich auch ohne ständige Aufforderung den einen oder anderen Kommentar erhalte, und wünsche euch einen ebenso schönen Sommer, wie wir ihn gerade genießen.

Euer Tim (& Lukas)

Donnerstag, 7. Mai 2009

Kurzhaardackel unterwegs

Also zuerst mal sollte ich ja gar nichts schreiben. Nachdem die Leserschaft beim letzten Eintrag mit gnadenlosen 2 (!) Kommentaren sehr deutlich gemacht hat, für was wir uns hier abmühen, und damit schon kräftig am Ohrfeigenbaum gerüttelt hat – unsere treuen, feedbackgebenden Stammleser müssen sich hier nicht angegriffen fühlen – mussten wir uns dieses Mal gemeinsam mit ein paar kühlen Pils durch den Kopf gehen lassen, ob sich dieser Aufwand denn noch lohnt, den wir uns dann doch eigentlich nuuur für euch machen. Wir sind natürlich nach einiger Zeit zu dem Schluss gekommen, dass es entweder das Fehlen des pathetischen Schlusses war, der euch vergrault hat, oder ihr schlichtweg zu faul wart, um uns ein paar Zeilen (wo auch immer) zu hinterlassen. Aber da die Kommentare logischerweise unsere einzige Rückmeldung über das Ausmaß der Lesegemeinde sein können, würden wir uns zumindest schon freuen, wenn wir denn wüssten, wer Tims Emailadresse noch nicht auf der Anti-Spam-Blacklist hat und sich tatsächlich noch ab und zu auf die Blogseite verirrt – oder habt ihr den letzten Eintrag gar verpasst? Das wäre zwar durchaus peinlich und bezüglich eurer Aufmerksamkeit ernüchternd, aber natürlich denkbar – dann sucht mal rechts in der Spalte.

Genug der netten Begrüßungen, schließlich habt ihr die Seite offensichtlich im Moment geöffnet und erwartet leichtverdauliche Texte und harmlose Postkartenidyllen. Die sollt ihr dann meinetwegen auch wieder bekommen, schließlich haben wir uns wieder unsäglich viel Zeit gelassen, aber das hat sicher eh keiner gemerkt (ok, ich hör auf damit).

Zunächst einmal natürlich wieder Besuch, zwar offiziell für Felix, aber der Publikumsmagnet Via Bassini 39 zog mal wieder kräftig, sodass wir Miles und Ruben aus Hamburg für ein Wochenende beherbergen durften. Ich glaube, dieses Wochenende lässt sich ganz fein mit einem Bild ausdrücken, das ich euch natürlich nicht vorenthalten will.


wochenende

So, das müsste reichen – auch wenn es sich natürlich nur um die Spitze des Bierbergs handelt, aber wir wollen hier ja niemanden vergrätzen. Das nächste Wochenende wurde entsprechend ruhiger gestaltet, obwohl Felix sein 20. Lebensjahr mit Bravour abschloss und –schoss. Insgesamt war es aber tatsächlich mal sehr unaufregend, da wir – oh Wunder – auch irgendwann mal wieder was arbeiten sollten. Bazar di Pasqua, Osterbasar, stand an und man durfte die Zivis mal wieder nach Herzenslust für allerlei alberne Jobs ausbeuten, was wir natürlich gern über uns ergehen ließen, kommt ja nicht allzu häufig vor.

Außerdem waren unsere schwäbischen Herzen ja schon gefüllt mit Vorfreude auf die Heimat, sodass wir alles klaglos ertrugen und uns nur wenige Tage später im Flugzeug nach Stuttgart wiederfanden.

Die Tage in Stuttgart (Tim teils in Scuol) waren natürlich herrlich entspannend und sogar großteils sonnenbeschienen, Bilder zu machen haben wir natürlich beide erneut so vernachlässigt, dass wir euch nur wieder mal nur ein paar (dafür sehr feine) Vogelperspektiven präsentieren können.

physik
wasser
burn

Erwähnenswert finde ich auch, dass ich mir mein Haupthaar auf sehr wenige erschreckende Zentimeter kürzen habe lassen (danke nochmal, Anni …). Außer dem unangenehmen Nebeneffekt, dass ich nun wirklich auf meinen Kleidungsstil achten muss, um mir hier nicht von den Mussolini-Fans auf die Schulter klopfen zu lassen, ists so natürlich für den Sommer sehr luftig und entspannt. Was ihr davon haltet, sagt ihr mir wohl besser nicht, immerhin gibt’s Fotos unten.

Nochmal in eigener Sache gestatte ich mir, hier noch das Fertigstellen meiner Bewerbungsmappe für Transportation Design zu verkünden, Interessierte finden die Online-Ausgabe unter dieser Adresse [hier klicken] (aber bitte nicht über die Skizzenhaftigkeit wundern, das ist so gewollt. Auch über Tims Namen oben links nicht wundern, das ist sein Account, aber meine Mappe).

Das sollte reichen von den intimsten Neuigkeiten, weiter geht’s mit dem Infotainment.

Eine Woche später war in Mailand Modemesse, allerdings ohne knöcherne Weibchen sondern mit hölzernen Stühlchen, oder so – „Salone del Mobile“ heißt das hier, Möbelsalon. Zwar muss ich gestehen, dass ich mir mehr erhofft hatte, aber immerhin bekamen wir überdimensionale Schreibtischlampen, schräge Häuschen und leere U-Bahnen bei vollen Stationen zu sehen, das hat doch auch was.


lampö2
arschitecktuhr!
gente
waah2!!

Um Tim mal endlich miteinzubeziehen: Tim und sein Freund Lukas machten sich zwei Wochen nach Stuttgart von Mailand auf nach Hamburg (wie man sieht, ist hier jemand mächtig stolz aufs Jetsettertum!). Wir hatten uns schon länger bei Felix eingeladen und pünktlich zum 1. Mai bewegte sich der Stuttgarter Krawalltrupp gen Norden.

Den Kiez und St. Pauli haben wir wider Erwarten (aber keine Angst, wir waren ja wirklich defensiv bei den Haarschnitten) ohne größere Blessuren (Leber ausgenommen) überstanden, sodass wir gleich am Samstag bei strahlendem Sonnenschein die Stadt erkundeten. Unser abgeklärter Stadtführer Felix („Wo wollt ihr denn jetzt hin?“-„Was wollt ihr denn angucken?“ – Man bedenke, wir waren niemals in HH …) hatte soweit auch alles unter Kontrolle, sodass wir einen feinen Frühsommertag in und einen exzellenten Ersten Eindruck von der Hansestadt bekamen. Außerdem ergriff ich die Chance, eine alte Schulfreundin aus meinem Austauschjahr in den USA wiederzusehen, was zu meinem vermutlich ersten selbstbestellten Cappuccino führte – irgendwie musste man sich ja für den Abend stärken.

wandelhalle
timbw
hafencity
stuggisteg
funky!

chillung!
funken
dangerousbridge
kurzhaardackel
traffic

Am zweiten Tag war offenbar die Eingewöhnungszeit abgelaufen und Hamburg durfte scheinbar endlich sein wahres Gesicht zeigen, aber als wahre Touristen hatten wir natürlich auch unsere helle Freude am nordischen Schmuddelwetter. Während sich Felix noch von der minimal anstrengenden Poolparty am Vorabend erholen musste, hielten Tim und ich uns auf den Beinen und die Kamera natürlich immer so grade wie möglich. Natürlich entstanden dank optischem Bildstabilisator dann wieder feine Bildchen, bei dieser Entzückung musste natürlich auch mal ein echtes Fischbrötchen her (de facto hab ich mir sofort danach noch eins geleistet), man munkelt ja auch von katerlindernden Fähigkeiten. Ohne dass die Stimmung also vom Wetter gedrückt worden wäre, haben Timtim und ich noch einiges (Speicherstadt, Chilehaus, Hafencity) entdecken können, und nicht einmal die alles auf den Kopf stellende Hebebrücke auf dem Weg konnte unseren lädierten Gleichgewichtssinnen etwas anhaben.

pisswetter
odawas
tim100jahrealt
schickung!
kicker
speicherstadt_ghetto
timi_chili
pieks

So sind wir also seit Sonntagnacht wieder zurück in Milano und uns wird schon ein bisschen weh ums Herz, wenn wir daran denken, dass das Ende hier nicht mehr allzu fern ist. Bis dahin plane ich aber erstmal, diverse Bewerbungstrips nach Stuttgart zu unternehmen, Tim wird vermutlich unseren bollywoodreifen Film von der Snowboardreise nach Scuol fertigschneiden (Interessen melden sich, wie immer, höhö), Felix eventuell sogar langsam rausbekommen, was er nicht studieren will – Wir werden sehen, was die knapp bemessene Restzeit bringt.

Damit kann ich bei meiner Checkliste ein Häkchen hinter „pathetische Schlussworte“ setzen, das Tim letztes Mal so todesmutig ausließ, und euch wieder entlassen; natürlich nicht, ohne euch vorher mit der Schreibblockade gedroht zu haben, wenn das hier so weitergeht, ihr wisst schon...

Alles Liebe, Euer Lukas (und Tim)

PS: Eigentlich steht an dieser Stelle immer ein Bild vom Wegesrand, aufmerksame Leser wissen das freilich. Aber erstens muss ja Strafe sein, zweitens wollte ich mich nochmal auf einem Bild lächerlich machen und drittens gebührt der lieben Familie Guth der allerherzlichste Dank, dass wir so nett aufgenommen und versorgt wurden – dafür beiße ich gerne auf einer kitschigen Postkarte in einen Hering mit Zwiebeln!

iherzhamburg