Manche sind vermutlich überrascht, dass seit dem ersten Blogeintrag schon fast elf Monate vergangen sind. Viele freuen sich hoffentlich auch, dass wir endlich wiederkommen.
Und (hoffentlich) wenige werden bestürzt akzeptieren müssen, dass sie uns doch noch nicht komplett los sind.
Aber die pathetische Schlussrede, die diesmal selbstredend noch pathetischer als ohnehin schon üblich ausfällt, wollte ich eigentlich Lukas überlassen.
Während Lukas den Grund seiner Reise nach Stuttgart, die Prüfung in Pforzheim, leider eher in der Kategorie „Übung macht den Meister“ einordnen musste, erkundeten Felix und ich ein Städtchen in der näheren Umgebung unserer Heimatstadt Mailand namens Monza.
Dort war man jedoch offensichtlich nicht auf hohen Besuch vorbereitet und führte uns lieber an der Nase herum; der sogenannte „Dom“ war im Vergleich zu unserem Mailänder Prachtstück eher eine schwer auffindbare Dorfkapelle, auf der berühmten Rennstrecke fand ein Marschierwettbewerb statt, …

Mit Lukas‘ Rückkehr hellte sich die Stimmung jedoch schnell wieder auf und wir freuten uns auf das kommende Wochenende, an welchem wir Lion und Christina beherbergen durften. Auch das Gastgeschenk kubanischen Ursprungs war der Stimmung nicht abträglich und nach einem ausgelassenen Freitagabend gönnten wir uns am Samstag mal wieder einen Blick vom Dach des Duomo auf unsere Heimatstadt-Leihgabe.







Nachdem wir die beiden am Sonntag recht früh verabschieden mussten, ließ uns die tropische Hitze nur einen Ausweg: Schwimmen.
Gemeinsam mit sämtlichen nicht-italienischen Bewohnern Mailands machten wir uns auf dem Weg zum Idroscalo, einem ehemaligen Landesee für Wasserflugzeuge. Dem aufmerksamen Blogleser wird dieser Name zu Recht bekannt vorkommen – kurz nach Weihnachten hatten wir diesen See schon einmal aufgesucht (siehe Blogeintrag Januar 2009). Damals jedoch zugegebenermaßen zur Nebensaison und bei anderen Temperaturen. Und ohne den Beweis, dass es deutsche Mallorca-Urlauber nicht nur aus Deutschland und nicht nur auf Mallorca gibt.




Und hier möchte ich mich schon einmal von euch verabschieden, denn der Rest dieses Eintrages wird der Feder von Kollege Haag entspringen.
Es hat Spaß gemacht, für euch zu fotografieren, anhand der Bilder nachzuvollziehen, was man in den letzten Wochen alles erlebt hat und diese Erlebnisse einigermaßen gelungen niederzuschreiben.
Und was letztendlich natürlich auch viel Freude bereitet und für die vorangegangenen Mühen entlohnt hat (und hoffentlich auch nach diesem Eintrag wieder ein Spaß wird) war, eure Kommentare zu lesen und zu wissen, dass wir uns nicht umsonst Mühe gegeben haben.
So toll dieses Jahr auch war (und das war es, wie den Bildern und Texten unschwer zu entnehmen sein sollte) – ich freue mich „auf zu Hause“, ein baldiges Wiedersehen mit möglichst vielen von euch und das, was ihr nach dieser Zeit zu erzählen habt.
Bis bald, Euer Tim
Bevor eure Tränen der Rührung die Oberhand gewinnen, will ich, Lukas, noch schnell das Gefühlsruder rumreißen und euch mit einer knappen Zusammenfassung der letzten dreieinhalb Wochen ablenken. Zwar sind die Bilder in diesem Eintrag eher medium, aber dafür versöhnt euch dann hoffentlich der Pathos und der harte Fakt, dass dies der letzte Eintrag ist und man alles mehrmals lesen will (ähem). Wer unsere fotografische Blütezeit wiedererleben will, sei auf die Einträge von November bis Mai verwiesen – aber zurück zum Hier und Jetzt.
In der Schule war seit 17. Juni kein normales Schulkind mehr anzutreffen, nur diejenigen, die offenbar nicht genug bekommen konnten, durften 3 weitere Wochen mit der „Scuola Estiva“, der Sommerschule, Freizeit im geliebten waldörfischen Lehrinstitut verbringen. Wieder einmal wurde unser Potenzial als billige Arbeitskraft blitzschnell erkannt und wir durften, im wöchentlichen Wechsel, auf zwei kleine, leichtbehinderte, junge Männer im Alter von 9 Jahren und den Rest des Miniaturvereins aufpassen. Dies war natürlich nicht nur eine Pflichterfüllung, zumal es jeweils einen eher entspannten Donnerstag im Schwimmbad mit sich brachte – trotzdem sind wir ganz froh, seit es wirklich ruhig in der Schule geworden ist.

Aber dazu später mehr – immerhin standen für die letzten drei Wochenenden, wie im letzten Eintrag erwähnt, zahlreiche Besuche aus der Heimat an. Zuerst schaffte es der Jungarzt in spe, Juli, aus Innsbruck endlich her (bekannt aus beiden Märzeinträgen), im Gepäck Justus, Jungarzt in spe #2, den wir bei unserem Wochenendbesuch damals schon kennengelernt hatten. Auch mit Ihnen waren zwei (außer-)ordentliche Feierabende unvermeidlich, aber bevor mir die Grammatik-Korrektur von MS Word nun „Wiederholung“ vorwirft, lasse ich lieber ein Bild vom Stapel - Vertreten hierbei übrigens auch Lucia, deutsch-italienische Modedesignerin (Studium in Pforzheim, räusper), die wir nun schon seit einiger Zeit kennen und tatsächlich nun ab und zu sogar in die „Männerrunden“ miteinladen.

Erwähnt sei noch zum medizinischen Besuch, dass die Rückfahrt ein voller Erfolg war – das geplante Trampen scheiterte zwar am Nichtauffinden der Autobahn, aber wer kann schon von sich behaupten, mit Bummelzügen und Sonderangeboten starke 15 Stunden von Mailand nach Stuttgart zu benötigen? Juli, du hast meinen Respekt.
Ganz so lang dauerte es dann nicht für die nächste Besucherfuhre, Jojo und Marv wählten mit dem Flugzeug ein etwas flotteres Verkehrsmittel. Nur vier Tage nach dem Arztbesuch folgte mit den beiden also ein erneuter Grund für morgendlichen Kopfschmerz mit flauem Magen. Schließlich hatten die beiden beim Duty-Free-Shop nicht gespart und da wir noch gezwungen waren, in Jojos 21. Geburtstag zu feiern, hätten wir am nächsten Morgen eine kleine Blitzheilung nicht verschmäht. Aber bevor ihr aufhört zu lesen, springen wir schnell weiter, die Bilder sind alle (dies sei vielleicht kein Fehler) mit Marvins Kamera auf deutschem Boden gelandet, anstatt auf unseren Festplatten hier.

Bereits zwei Tage später wieder eine spontane SMS mit noch spontanerem Ergebnis: Schon wieder mein Bruder Lion im Haus, auf dem Weg von Frankreich nach Zürich ein paar Tage in Mailand untergeschoben. Erneute zwei Tage danach komplettierte Kay Meyding das Bild der Bruderzusammenkunft und zu viert wurden die Abende von der Durchschlagskraft spürbar multipliziert – auch hiervon, zu unserem und eurem Wohl, haben wir zwei hier keine Bilder.
Bevor ihr nun endgültig abschaltet: Gleich sind wir durch.
Denn dies waren die letzten Besuche, die letzten Abende, die letzten Geschichten, Randgeschichten, Erwähnungen, Schachtelsätze und Andeutungen. Und erwähnenswerterweise auch die letzte Arbeitswoche, die diesen Namen kaum verdient hat. Seit Sonntagabend und mit dem Abgang der jeweiligen Brüder ist hier die Luft endgültig raus, wir kommen und gehen in der Schule, wie es uns passt und streichen eher plan- und lustlos ein paar Räume. Immerhin: Wir merken mit jedem Tag mehr, dass es hier rum ist für uns und wir einfach nach Hause sollten und wollen. Obwohl dieser Satz auch der letzte eines Papstes sein könnte, oder vielleicht genau deswegen (das wiederum wäre allerdings anmaßend gegenüber allen Katholiken), hier beginnt der hoffentlich ausreichend pathetische Schlussteil.
Es war ein volles Jahr. Nein, nicht nur in diesem albernen Sinne, ich meine es ausnahmsweise nicht ganz so platt – wenn man sich allein diese Auswahl an Fotos in unserem Blog (Schulterklopfen an mich, ich habe all diese 292 Fotos jeweils einzeln erst aufhübschen, zurechtschneiden und digital nachbelichten müssen) ansieht, die die repräsentativsten und/oder unserer Auffassung nach besten aus der schieren Masse von über 10.000 geschossenen Bildern in diesem knappen Jahr darstellen, dann sollte einem klar werden, was wir hier erlebt haben. Ich bin sehr glücklich über unsere und meine Zeit hier und hoffe sehr, dass ihr ein wenig daran teilhaben konntet. Auch von meiner Seite nochmals vielen Dank für eure zahlreiche Rückmeldung (jaja, Zuckerbrot und Peitsche, gell) und eure motivierenden Zuschriften. Falls es euch gefallen hat – hier habt ihr natürlich wie immer, allerdings jetzt zum letzten Mal für dieses Jahr, Platz und Möglichkeit für eure Ansichten und Kommentare.
Ich hoffe, wir sehen uns bald; bei einigen bin ich mir da sogar sehr sicher – und freu mich sehr drauf.
Alles Gute,
euer Lukas
PS:
4 Kommentare:
Kann nicht schreiben... Tastaur ist zu feucht von all den vergossenen Tränen.
Danke nochmal an euch - war ein richtig geiles verlängertes Wochenende bei euch in MI und ich bin endlos froh, dass wir es tatsächlich noch hinbekommen haben!
Also dann - bis nächsten Samstag!
Euer Joji
P.S: Das mit dem Abholen am Samstag sollte klar gehen!;)
lieber tim, lieber luki - tränen im kopfloch aus wiedersehensfreude ! ihr könnt vielleicht ahnen, welches füllhorn aus herrlichen text-und bilddokumenten euer zivijahr 2008/2009 gerade für mich geworden ist. ihr habt sehr engangiert und ehrgeizig euern blog gestartet - und heut kann man sagen : eure enormen ansprüche in jeder hinsicht nicht nur durchgehalten - alle hochachtung und respekt für euch ! kommt heim, es ist zeit, und wir freuen uns sehr - auch darauf, wie wir eure spannenden veränderungen im modifizierten blog weiter miterleben können. blgec
lieber tim, lieber luki,
schön, daß ihr wiederkommt. aber es war auch schön, zwei so gute, witzige akteure, berichterstatter, beobachter, fotografen, grafiker in mailand zu haben. die zeit ist rum, die blogs und die erinnerung bleiben, auch zum beispiel an unseren kurzen besuch bei euch und in eurer neuen "heimatstadt". da wurde euch ja in den letzten wochen die zeit nicht lang. wie es scheint eher zu kurz , wenn man an all die langen nächte denkt. nur noch wenige tage, dann seid ihr wieder hier und weint dann eben mailand noch eine kleine träne nach. mit lieben grüßen bis bald euer kai
lieber tim, lieber lukas-
baden-württemberg im allgemeinen und ein paar stuttgarter im besonderen freuen sich sehr auf euch! eure tollen blogs werden wir vermissen- sie haben die übliche e-mail post doch ziemlich aufgepeppt - danke dafür!
für euch zum abschied noch ein beitrag des schwaben h.h.:
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
... in diesem sinne
bis bald - christiane s.
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